Impedanzspektroskopie (Nevisense)
Eine unblutige Messung liefert bei unklaren Muttermalen einen objektiven Zusatzwert für die Entscheidung: beobachten oder entfernen.
- DauerErgebnis in ca. 10 Min.
- Ausfallzeitkeine
- Betäubungkeine, nichtinvasiv
Was ist das?
Trotz computergestützter Bildanalyse (FotoFinder) und 20-MHz-Ultraschall bleibt bei manchen Muttermalen und anderen Hauttumoren eine Unsicherheit, ob es sich um eine bösartige Veränderung oder deren Vorstufe handeln könnte. Für diese Fälle setzen wir die elektrische Impedanzspektroskopie (Nevisense) ein. Die Messung kommt ohne Schnitt und ohne Blutentnahme aus.
Gesundes Hautgewebe unterscheidet sich von atypischem, erkranktem Gewebe in Größe, Form, Ausrichtung und Dichte der Zellen sowie im Aufbau der Zellmembranen. Diese Unterschiede wirken sich darauf aus, wie die Zellen elektrischen Strom leiten und speichern. Die messbare Eigenschaft dahinter heißt elektrische Impedanz. Sehr schwache elektrische Signale, die der Sensor in das Muttermal sendet, machen am Impedanzmuster Veränderungen erkennbar, die auf schwarzen oder hellen Hautkrebs und deren Vorstufen hinweisen können.
Der Nevisense-Klassifikator gibt das Ergebnis als Wert auf einer Skala von 0 bis 10 aus. Je höher der Wert, desto ausgeprägter ist die gemessene Zellveränderung. Er ist keine Diagnose für sich, sondern eine Zusatzinformation, die wir zusammen mit dem klinischen Bild, der Auflichtmikroskopie und dem Ultraschall bewerten. Ziel ist es, unnötige Entfernungen möglichst zu vermeiden.
Für wen?
- Muttermale und andere Hauttumoren, die nach Auflichtmikroskopie (FotoFinder) und 20-MHz-Ultraschall unklar bleiben
- Verdacht auf Vorstufen oder Frühformen von schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) oder hellem Hautkrebs
- Hautveränderungen im Gesicht, wo eine Narbe besonders belasten kann
- Hautveränderungen in Körperregionen mit ungünstiger Narbenheilung, etwa im Bereich der Brust, oder bekannte Neigung zu schlechter Narbenheilung
- Abklärung in der Schwangerschaft
- Stärker pigmentierte Haut (Hauttyp IV und dunklere Hauttypen), bei der andere Verfahren an Grenzen stoßen können
Ablauf
- 1
Einordnung des Befundes
Zunächst beurteilen wir das Muttermal wie gewohnt: klinisch, mit der digitalen Auflichtmikroskopie (FotoFinder) und bei Bedarf mit dem 20-MHz-Ultraschall. Bleibt danach eine Unsicherheit, schlagen wir die Impedanzspektroskopie als ergänzende Messung vor.
- 2
Messung mit dem Sensor
Der Arzt setzt den Sensor auf das Muttermal auf. Er sendet sehr schwache elektrische Signale in die Haut, so gering, dass Sie in der Regel lediglich den Kontakt des Sensors spüren. Eine Betäubung ist nicht erforderlich; es entsteht keine Wunde.
- 3
Auswertung auf der Skala von 0 bis 10
Das Gerät wertet das gemessene Impedanzmuster aus und gibt einen Wert zwischen 0 und 10 an. Je höher der Wert, desto ausgeprägter ist die gemessene Zellveränderung. Das Ergebnis liegt innerhalb von etwa 10 Minuten vor.
- 4
Gemeinsame Entscheidung
Wir besprechen den Messwert mit Ihnen im Zusammenhang mit den übrigen Befunden. Daraus ergibt sich, ob eine Verlaufskontrolle ausreicht oder ob wir die Entfernung mit feingeweblicher (histologischer) Untersuchung empfehlen.
Technologie oder Wirkstoff
Die elektrische Impedanzspektroskopie (EIS) misst, wie das Gewebe eines Muttermals sehr schwache elektrische Signale verschiedener Frequenzen leitet und speichert. Gesunde und veränderte Zellen unterscheiden sich in Größe, Form, Ausrichtung, Dichte und Membranaufbau; das spiegelt sich in der Impedanz wider. Aus dem gemessenen Muster leitet der Nevisense-Klassifikator einen Wert zwischen 0 und 10 ab.
Das Verfahren stammt aus der Forschung des Karolinska-Instituts in Stockholm. Die gerätegestützte Auswertung dient der ärztlichen Entscheidungsunterstützung; die Beurteilung des Muttermals bleibt ärztliche Aufgabe.
Was Sie realistisch erwarten können
- Die Messung ist in der Regel nicht schmerzhaft; spürbar ist lediglich der Kontakt des Sensors auf der Haut.
- Sie ist unblutig; es entsteht keine Wunde.
- Das Ergebnis liegt innerhalb von etwa 10 Minuten vor.
- Die Messung ist auch in der Schwangerschaft möglich und lässt sich auf stärker pigmentierter Haut anwenden, etwa bei Hauttyp IV und dunkleren Hauttypen.
- Die Impedanzspektroskopie ergänzt Auflichtmikroskopie und Ultraschall; sie ersetzt sie nicht.
Risiken und Nebenwirkungen
- Risiken der Messung selbstDie Messung ist nichtinvasiv; die Haut bleibt unverletzt. Nennenswerte Risiken hat sie nicht.
- Grenzen des MesswertsKein Diagnoseverfahren bietet vollständige Sicherheit. Ein niedriger Wert schließt eine bösartige Veränderung nicht in jedem Fall aus, ein hoher Wert beweist sie nicht. Wir beurteilen den Wert deshalb immer zusammen mit dem klinischen Bild.
- Mögliche FolgeuntersuchungBei einem auffälligen Ergebnis oder fortbestehendem Verdacht kann eine operative Entfernung mit feingeweblicher Untersuchung nötig sein. Erst sie sichert die Diagnose.
- Nicht jede Veränderung eignet sichNicht jede Hautveränderung eignet sich für die Messung. Ob sie in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären wir bei der Untersuchung.
Ergebnisse sind individuell und lassen sich nicht garantieren.
Kosten und Erstattung
Die Impedanzspektroskopie ist in der Regel eine Selbstzahler- beziehungsweise IGeL-Leistung (individuelle Gesundheitsleistung). Den Rahmen besprechen wir vorab mit Ihnen.
TODO: Preis der Impedanzspektroskopie (Nevisense) vom Arzt ergänzen.
Abrechnung nach GOÄ, Aufklärung vorab.
Was die Messung leisten soll
Die Impedanzspektroskopie soll die Entscheidung für oder gegen eine Entfernung auf eine breitere Grundlage stellen. Die Ziele sind:
- eine objektive Zusatzinformation neben der ärztlichen Beurteilung
- weniger Entfernungen gutartiger Muttermale und damit weniger Eingriffe
- weniger Narben, was besonders im Gesicht, im Bereich der Brust und bei bekannter Neigung zu schlechter Narbenheilung ins Gewicht fällt
- das Erkennen von Vorstufen und Frühformen von schwarzem und hellem Hautkrebs
Häufige Fragen
Wie das Gewebe eines Muttermals sehr schwache elektrische Signale leitet und speichert. Gesunde und veränderte Zellen unterscheiden sich in Größe, Form, Ausrichtung, Dichte und Membranaufbau, und das spiegelt sich in der elektrischen Impedanz wider. Aus dem gemessenen Muster leitet der Klassifikator einen Wert ab.
Der Wert steht für den Grad der gemessenen Zellveränderung: Je höher er ist, desto ausgeprägter ist die Veränderung; ein niedriger Wert spricht für wenig Veränderung. Was das für Ihr Muttermal bedeutet, besprechen wir mit Ihnen im Zusammenhang mit den übrigen Befunden. Der Wert allein ist keine Diagnose.
In der Regel nicht. Die elektrischen Impulse des Sensors sind so gering, dass Sie meist lediglich den Kontakt auf der Haut spüren. Es entsteht keine Wunde.
Ja. Die Impedanzspektroskopie ist auch in der Schwangerschaft einsetzbar. Sie lässt sich zudem auf stärker pigmentierter Haut anwenden, etwa bei Hauttyp IV (olivfarbener Teint, dunkle Augen und Haare) und dunkleren Hauttypen, bei denen viele andere Diagnoseverfahren an ihre Grenzen kommen.
Nein. Sie liefert eine Zusatzinformation für die Entscheidung. Bleibt der Verdacht bestehen oder ist der Messwert auffällig, empfehlen wir die Entfernung mit feingeweblicher Untersuchung; erst sie sichert die Diagnose. Umgekehrt kann ein unauffälliges Ergebnis zusammen mit den übrigen Befunden dafür sprechen, ein Muttermal zu beobachten statt zu entfernen.
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